
”Könnte ich mein Leben nochmal von vorn beginnen, wuerde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich wuerde albern sein, wuerde ganz locker werden, nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen. Ich wuerde entschieden verrueckter sein und weniger korrekt. Ich wuerde mehr Gelegenheiten beim Schopf ergreifen und öfters auf Reisen gehen. Ich wuerde mehr Berge ersteigen, mehr Fluesse durchschwimmen und mehr Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen. Ich wuerde mehr echte Probleme und weniger eingebildete Nöte haben. Nun, ich hatte meine verrueckten Augenblicke, aber wenn ich nochmal von vorn anfangen könnte, wuerde ich mehr verrueckte Augenblicke haben. Genau gesagt: einen Augenblick nach dem andern und keine Pläne zehn Jahre voraus.”
Die Worte haben uns beeindruckt und waren eine ordentliche Portion Rueckenwind auf den letzten Tagen. Es wargar nicht so schwer ihnen zu folgen, unserer Reiseroute hingegen wird sicher etwas schwieriger :) Beginnt am besten mit dem Zeigefinger auf dem kleinen Örtchen Banos suedlich von Quito. Dort haben wir uns im Schatten des aktiven Vulkans Tungurahua auf einen spektakulären Ritt auf Motocrossbikes und eine Radtour entlang
der ”Strasse der Wasserfälle” begeben. Leider oder zum Glueck hat uns dabei kein Lavaregen begleitet, sondern lediglich blauer Himmel und Sonnenschein. Beide Aktionen waren adrenalingeladen und atemberaubend schön – gerade deshalb waren wir auch richtig geknickt, als uns am Folgetag die Kamera gestohlen wurde… Heilung brachte der schnelle Ortswechselueber Riobamba nach Cuenca zwar nicht, aber der Abstand machte es etwas einfacher.
Nach diesen zwei relativ unspektakulaeren Stationen liessen wir Ecuador in einer 26 stuendigen Busfahrt hinter uns und steuerten geradewegs nach Peru. InTrujillo waren wir von der längsten linksbrechenden Welle ziemlich beeindruckt, so dass wir anstatt zu Surfen lieber die Ruinen von Chan Chan und den Tempel des Mondes erkundet haben. Hier entdeckten wir neben Altaren fuer Menschenopfer auch unsere Begeisterung fuer die Ureinwohner dieses Kontinents.
Da wir etwas Zeitdruck hatten, liessen wir die Kordilleren rund um Huaraz links liegen und fuhren geradewegs nach Lima. Im vier Monate anhaltenden Kuestennebel fuehlten wir uns zwar nicht wirklich wohl, aber Abhilfe gab es mit dem Nationalgetränk ”Pisco Sour” (Pisco, Zucker, Limettensaft und Eiweiss) und einem Abendessen in Perus bestem Restaurant Astrid y Gaston. Neben den sieben Gängen peruanischen Gaumenschmausses, erfreuten wir uns an der Gesellschaft zweier Däninnen, die wir auf der Stadtbesichtigung kennengelernt hatten.

Der nächste Bus brachte uns von der Kueste ins 3.300 mhoch gelegene Cusco und damit in die Hauptstadt der Inkas. Die unglaubliche Dichte an Ruinen war allgegenwärtig. Besonders beeindruckend und sicherlich herausragendwar dabei die Baukunst. Die fugenlos aufeinander geschichteten Steine waren teilweise meterhoch – seht selbst in der Galerie! Es folgte die wohl grössteSehenswuersigkeit Lateinamerikas: Machu Picchu. Mit dem Zug ging es in das enge Tal und anschliessend ueber 1766 Stufen hinauf… zuerst komplett in Morgennebel eingehuellt , gab sich die Stadt nur langsam preis – als schliesslich auch die beiden markanten Bergspitzen im Hintergrund zu sehen waren, war der Anblick perfekt. Von morgens sechs bis abends um fuenf haben wir jeden einzelnen Stein erkundet und bestaunt. Zu Recht haben wir festgestellt, ist Machu Picchu die Ruine aller Ruinen und eines der neuen sieben Weltwunder!
Nachdem Cusco abgegrast war, konnten wir erstmal keine Ruinen mehr sehen und haben uns in Arequipa an den 6.000er namens Chachani gewagt.

Erschwerte Bedingungen mit viel Schnee und einen Kälteeinbruch machten uns zu schaffen. Hinzu kam bei uns beiden ordentliche Anzeichen der Höhenkrankheit, so dass der Trip fuer uns auf dem 5.950 m hohen ”Fatima” endete. Auch wenn damit die Marke von 6.000 Metern unerreicht blieb, konnten wir gut auf die Gipfel der Alpen herabblicken und sind um die Erfahrung der absoluten Erschöpfung reicher.

Noch einmal tief Luft holen – es folgen die letzten zwei Stationen der Reise :) Mit dem letzten Landeswechsel nach Bolivien erreichten wir auch den Titicacasee. Auf der Isla del Sol entstand einer Sage nach die Kultur der Inkas – fuer uns war dieses Inselchen Ort eines fantastischen Sonnenuntergans, traumhafter Szenerien und einer Wanderung mit tollem Ausblick. Bei einer frischen Forelle war der Moment erreicht, an dem unser Blick ueber den See in die Ferne schweifte und wir ueber die Erfahrungen der letzten drei Monate sinnierten. Im Bus nach La Paz trafen wir auf Alex, Chris und Olivier die sich fest vorgenommen hatten in La Paz mit dem Mountainbike Downhill zu fahren. Wie zu erwarten waren wir einfach zu ueberzeugen und haben uns mit den Jungs aufgemacht. So ging es am ersten Tag die Sehenswuerdigkeiten der Stadt abklappern und tags darauf gleich auf die ”Todesstrasse” – 64 km mit 3345 Höhenmetern, entlang von bis zu 400 m tiefen Abgruenden – alles auf zwei Rädern, abgefahren! Nichtsahnend freuten wir uns auf Tag zwei des Abfahrtstrausches und fanden uns plötzlich in wunderschöner Landschaft auf dem legendären ”Ima Trail” wieder. Auf einem Pfad der selbst fuer Wanderer eine Herausforderung gewesen wäre, stuerzten wir uns auf unseren vollgefederten Zweirädern in die Tiefe. Um ein paar Blessuren kamen wir nicht, aber dieses Opfer zahlte sich in doppelter Menge Adrenalin zurueck. Den wuerdigen Abschluss der Reise haben wir in gemeinsamer Runde die ganze Nacht gefeiert – vermutlich hätten wir gar nicht aufgehört, hätten wir nicht auf den Flieger gemusst :)
Ziemlich geplättet geniessen wir nun die Verschnaufpause in Caracas – wie dem auch sei, das Versprechen zurueckzukehren haben wir uns bereits gegeben – ausserdem wollen wir unsere Spanisch- und Salsakuenste verbessern, zwei unerlässliche Fähigkeiten auf diesem Kontinent :) ...und dem Zitat am Anfang können wir nun eine weitere persönliche Zeile hinzufuegen:
”Wir haben alles richtig gemacht!”
Noch zweimal Schlafen, dann sind wir zurueck – que vaina!
Die letzten Bilder findet ihr hier!
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